Zu unserem Unterricht zuhause gehört auch das Fach Textiles Werken. Während die Kinder bei mir eh schon vieles kennen vom zugucken, so gab es dann doch auch mal etwas theoretisches Wissen dazu. Wir haben eine Einführung in die Materialkunde gemacht und diesen möchte ich heute mit euch teilen.

Zuallererst beginnen wir mit der Maschenware, dies könnt ihr super auch als Projekt mit den Kinder zusammen selber nachstricken. Im oberen Bild findet ihr eine Links-Links Bindung, also einfach immer rechte Maschen stricken, die Ware umdrehen und wieder rechte Maschen stricken. Auf der Rückseite sind dies ja linke Maschen, und somit werden die linken Maschen von beiden Seiten hervorgehoben und gesehen. Bei unseren modernen Stoffen ist dies nur sehr selten zu finden, bildet aber die Grundlage von Maschenware (gestrickte Stoffe).

Zuoberst seht ihr einen einfachen single Jersey in Rechts-Links Bindung. Hierbei werden ein eine Richtung rechte Maschen gestrickt und auf dem ‚Rückweg‘ linke Maschen. Diese glatte Ware in der Grundbindung kennen wir als ganz normalen Jersey. Es gibt ihn in vielen verschiedenen Dicken und Maschengrößen, je nach benutztem Garn.

In der Mitte befindet sich eine A-jour-Ware, also eine druchbrochene, gemusterte Ware. Hier werden einzelne Maschen umgehängt wodurch ‚Löcher‘ entstehen.

Das dritte Beispiel ist eine hinterlegte Ware. Hier wird mit mehreren Farben gearbeitet, diese können auf der Rückseite als Spannfäden zwischen den einzelnen Mustern liegen wodurch die Ware weniger elastisch wird, oder sie werden abgebunden je einzelnes Muster.

Hier seht ihr den Aufbau eines Bündchens, für die besondere Elastizität der Rippware werden abwechselnd rechte und linke Maschen gestrickt. Wird dies 1:1 abgewechselt, sprechen wir von Feinripp. Bündchenware wird in der Regel rundgestrickt, dies könnt ihr für euren nächsten Pullover auch selber ausprobieren mit der gewünschten Breite. In der Industrie werden auch reguläre Jersey & Sweatstoffe oftmals rundgestrickt und danach aufgeschnitten. Dies könnt ihr an der Kante des Stoffes sehen, dort befinden sich Kleberückstände damit die Maschen nicht aufgehen. Wenn die Kante etwas schief geschnitten ist, seht ihr dies anhand der eingeschnittenen Längslinien welche die Maschen bilden. Dies ist wichtig zu wissen, wenn ihr den Fadenlauf bestimmt. Dieser ist bei aufgeschnittener Rundstrickware nämlich nicht immer parallel zur Stoffkante! Achtet lieber auf diese Längslinien der Maschen, um den Fadenlauf zu bestimmen.

Zum Nähen und Stricken gehört auch etwas Garnkunde, hier gibt es eine schier endlose Vielzahl an Möglichkeiten der Zusammensetzung. Eine kleine Auswahl der typischsten Garne haben wir euch hier zusammengesammelt und beschriftet. Im oberen Bild findet ihr breite Garne, welche zum Stricken, Häkeln und Sticken benutzt werden.

Im unteren Bild zeigen wir euch verschiedene Nähgarne. Grundsätzlich lernt man in der Ausbildung, dass das Garn entsprechend dem Stoff ausgewählt werden soll. Wir im Hause Sewera rebellieren allerdings etwas dagegen und nähen fast ausschliesslich mit Polyestergarnen. Diese sind besonders reißfest, was bei Alltagskleidung sowie Gebrauchsgegenständen für mich viel wichtiger ist als die Nähtheorie. Overlockkonen bestehen im übrigen fast immer aus Polyester, zumindest die, welche ich bislang in den Händen hielt.

Nicht aufgelistet da wir keines gefunden haben in unserer Sammlung ist Nähgarn aus Seide.

Da wir nicht nur mit Jersey nähen, gibt es natürlich auch noch eine Einführung in die Webware Stoffe und besondere Stoffbezeichnungen. Fälschlicherweise werden diese oftmals als ‚Baumwolle‘ bezeichnet, dies ist jedoch keine Stoffbezeichnung sondern ein Rohstoff. Aus Baumwolle kann z.B. Jeansstoff hergestellt werden oder ein single Jersey und Sweatstoff. Ich versuche schon lange darüber aufzuklären, vielleicht hilft ja unsere Materialkunde hierbei etwas. Teilt dies gerne mit euren Freunden, wenn ihr ihnen helfen wollt mit der korrekten Bezeichnung!

Wir beginnen mit den Naturfasern, diese Stoffe sind alle Webware in Leinwandbindung (das, was ihr auf dem Webrahmen normalerweise macht, der Schussfaden geht also abwechselnd über und dann unter dem nächsten Längsfaden durch, in der nächsten Runde wird gewechselt).

Leinen ist ebenfalls ein Naturstoff. Die Viscose wird aus Zellstoff hergestellt, allerdings in einem chemischen Prozess. Dabei wird der Zellstoff in Natronlauge getaucht, zerfasert, gereift und unter Zugabe von Schwefelkohlenstoff und nochmals einer Natronlauge umgewandelt. Viscose wird genutzt um die Naturfasern Baumwolle, Leinen, Wolle und Seide zu imitieren.

Polyester ist die wohl bekannteste synthetische Chemiefaser. Sie wird aus einer künstlich hergestellten Spinnflüssigkeit hergestellt. Neben Polyester (PES) gibt es auch Polyamid (PA), Polyurethan (PUR), Elastan (EL), Polyacrylnitril (PAN), Polypropylen (PP) und Polyvinylchlorid (CLF). All diese Fasern haben ihre speziellen Einsatzgebiete, z.B. in Outdoorstoffen und Sportwäsche.

Jeansstoff besteht klassisch aus Baumwolle. Heutzutage wird gerne Elastan beigemischt um einen elastischen Jeansstoff zu erhalten, dadurch sind Skinnyjeans und andere enganliegende Kleidungsstücke aus Jeansstoffen möglich. Ursprünglich wurde die Jeans als Arbeiterhose entwickelt die lange halten soll, deshalb wurden auch Ösen eingeschlagen an den besonders strapazierten Stellen.

Neben den weiter oben schon erwähnten Jerseystoffen gibt es natürlich noch weitere Stoffe, die wir im Nähalltag gut kennen. Darunter sind Sweatstoffe, diese sind dicker als Jersey. Hierbei unterscheiden wir zwischen Sommersweat und Wintersweat. Beim normalen Sweat ist letzterer, der Wintersweat gemeint. Hierbei wird die Rückseite angeraut und verfilzen oft, wodurch der Stoff besser isoliert und dadurch wärmer erscheint. Beim Sommersweat sind auf der Rückseite die linken Maschen besonders gut sichtbar.

In der Mitte sehen wir den Alpenfleece, dieser Stoff ist eine neuere Erscheinung und in meinem Lehrmittel aus der Schneiderausbildung noch nicht zu finden. Von vorne auf der rechten Stoffseite sieht er wie Jersey aus, auf der linken Stoffseite ist er plüschartig und besonders weich.

Zuunterst sehen wir einen Double Face, dieser besteht aus zwei Stofflagen die in kleinem Abstand miteinander verbunden sind. Solche Stoffe gibt es sowohl aus Maschenware als auch aus Webware.

Das Bündchen haben wir weiter oben bereits genauer betrachtet.

Die Spitze ist ein Tüll mit Musterung. Hierbei gibt es verschiedene Verfahren zur Herstellung, die den Rahmen dieses Beitrags sprengen würden. Interessant zu wissen ist, dass Spitze entweder nachträglich auf einen Tüll aufgestickt oder direkt durch Legebarren auf Kettenwirkautomaten oder Raschelmaschinen hergestellt wird. Durch die Zugabe von Elastan in das Material kann eine Spitze elastisch werden.

Hier seht ihr einen regulären Tüll, ohne Spitzenbestickung drauf. Es gibt Tüll in verschiedenen Dicken und mit unterschiedlich großen Löchern. Für Bekleidung ist besonders Feintüll (auch als Softtüll bekannt) geeignet, da er viel weicher fällt.

Als Grundlage für Paillettenstoffe werden Tüllstoffe ebenfalls sehr gerne genommen. Ebenso werden einzelne Stickereien gerne auf Tüllstoffe gestickt und danach ausgeschnitten.

Zum Abschluss der Stoffkunde haben wir noch Leder und Fell angeschaut, hierbei unterscheiden wir zwischen Echtleder/Echtfell und Kunstleder/Kunstfell. Beides könnt ihr auf der Rückseite besonders gut erkennen, da künstlich hergestellte Felle & Leder auf der linken Stoffseite tatsächlich einen Stoff haben, oftmals als Maschenware. Bei Kunstfellen ist dies auch auf der Fellseite erkennbar, wenn man es zur Seite schiebt.

Die Vielfalt an Fellen & Leder ist sowohl bei tierischen als auch künstlichen Produkten riesig, so wie es die Tierwelt auch ist. Es kann gefärbt, geschnitten oder geprägt werden, bei Leder zusätzlich mit einer Polyurethanschicht zu Lackleder verarbeitet werden.

 

Ich hoffe, dieser Einblick in die Materialkunde gefällt euch und bringt etwas Licht ins Dunkel. Wenn ihr zu einem Stoff mehr wissen wollt oder euch etwas auf dieser Liste fehlt, meldet euch gerne und ich schaue, was ich wie ergänzen kann!

Eure Carina